Meine therapeutische Arbeit basiert auf bestimmten Annahmen:
“Bulimie ist eine Bewältigungsstrategie”
Die Bulimie wird als Bewältigungsstrategie innerer Konflikte betrachtet. Essgestörten Frauen oder Männern gehen oft lange Leidenswege mit einschneidenden Erlebnissen voraus. Die Auswirkungen von negativen Erfahrungen, verbunden mit dem Gefühl nicht wahrgenommen und verstanden zu werden, das Zurückstellen eigener Bedürfnisse, in Verbindung mit einem extrem niedrigen Selbstwert, können letztlich Ursachen für innere Konflikte darstellen. Der Konflikt besteht häufig zudem in der Suche nach Identität, bei gleichzeitiger Unterdrückung der eigenen Persönlichkeit, um sich dem Umfeld anzupassen.
“Bulimie ist eine Krise und zugleich eine Chance zur Veränderung” 
Das Wort “Krise” bedeutet im japanischen gleichzeitig “Chance”. Diese Betrachtungsweise wird auch von bulimio.de vertreten. Psychische Konflikte drücken sich häufig in körperlichen Symptomen aus. Auch Essstörungen sind ein Zeichen von psychischen Störungen oder Konflikten. An Essstörungen leidende Personen erfahren somit eine (Lebens-) Krise und sind gezwungen einen Richtungswechsel in ihrem Leben vorzunehmen. Die Essstörung zwingt die Person zum “aktiven” handeln. Die Bulimie, wie auch die Magersucht, kann ein Wendepunkt in ein selbstbestimmtes Leben sein! Wie die Lebensringe des Baumes auf dem Bild. Dieser ist durch schwere Zeiten gegangen, ist daran aber gewachsen und hat letztlich die Stabilität für sich herstellen können.
“Alle Ressourcen die benötigt werden sind in jedem Menschen vorhanden”
Von dieser Annahme, die aus der Neuro-Linguistischen Programmierung (NLP) stammt, bin auch ich überzeugt. Im Laufe des Lebens können einige Ressourcen wie Selbstwert, Eigenliebe, Kommunikationsfähigkeit und Durchsetzungsvermögen in den Hintergrund treten. Diese Ressourcen sind jedoch nicht verloren, sondern können wieder aktiviert und gestärkt werden. Jeder Mensch besitzt die Ressourcen (wenn auch momentan verborgen) die er benötigt um sich aus seiner Krise zu befreien.
“Die Bulimie ist eine `Zwischenzeit´”
Essstörung werden als eine ”Zwischenzeit” betrachtet. Menschen die daran leiden stehen unter enormem Druck, den gesellschaftlichen Anforderungen gerecht zu werden. Oft hat das eigene Umfeld keine Kenntnisse von der Erkrankung. Es kann nicht verstehen, warum der Alltag der Person nicht korrekt bewältigt wird. Die “Zwischenzeit” ist eine Zeit für die man sich bewusst entscheiden sollte. Es ist eine Zeit, in der äußerliche Ansprüche so weit wie möglich zurückgedrängt werden, um Raum für die eigenen Person zu schaffen; um Gedanken und Verhaltensweisen zu hinterfragen und sich letztlich neu auszurichten. Es ist die Zeit die man “sich” nimmt und gibt. Hiermit verringert sich der Druck “funktionieren”, oder den Erwartungen der Anderen, entsprechen zu müssen.
“Jedes Verhalten besitzt eine positive Absicht”
Mit dieser Grundannahme wird davon ausgegangen, dass auch das Verhalten der Bulimie, mit den Heisshungerattacken und anschließendem Übergeben, eine positive Absicht für die erkrankte Person verfolgt. Wenn auch diese positive Absicht auf den ersten Blick nicht offensichtlich ist, so kann die Bulimie oder Hungern dazu beitragen innere Konflikte auszuhalten, Spannungszustände abzubauen oder “kurzfristig” innere Befriedigung zu empfinden.